Vitra Campus

Vitra Campus


Seit den 1980er Jahren hat die Firma Vitra Bauten mit weltweit renommierten Architekten errichtet. Das einzigartige Architekturensemble umfasst Bauten u.a. von Tadao Ando, Richard Buckminster Fuller, Frank Gehry, Nicholas Grimshaw, Zaha Hadid, Herzog & de Meuron, SANAA, Álvaro Siza und anderen. Der Architekturkritiker Philip Johnson schrieb darüber: »Seit der Gründung der Weißenhofsiedlung in Stuttgart im Jahr 1927 wurden nirgends auf der Welt mehr Bauwerke von den herausragendsten Architekten der westlichen Hemisphäre errichtet.« Die Bauten auf dem Vitra Campus kontrastieren miteinander, fügen sich aber zugleich harmonisch in die Umgebung ein. Sie spiegeln eine Unternehmensphilosophie, die nicht nach einer einheitlichen Firmenarchitektur sucht, sondern als offenes Projekt unterschiedliche Positionen fördert. Im VitraHaus – Vitras Flagshipstore – wird die gesamte Vitra Home Collection präsentiert: von den großen Klassikern bis hin zu den neuesten Entwürfen zeitgenössischer Designer. Die ausgestellten Möbel und Gegenstände können vor Ort ausprobiert, bestellt und gekauft werden.

Vitra Campus

Vitra Design Museum / Frank Gehry

Vitra Design Museum /
Frank Gehry

1989

Das Hauptgebäude des Vitra Design Museums wurde vom amerikanischen Architekten Frank Gehry entworfen und war dessen erstes Projekt in Europa. Während Gehrys frühere Bauten noch der bildbetonten Sprache der Postmoderne verbunden waren, beschränkte sich der Architekt beim Vitra Design Museum auf eine weiss verputzte Fassade, ein Zinkdach sowie eine Kubatur aus einfachen, geometrischen Grundformen. Aus diesen fast klassisch wirkenden Elementen schuf er eine dynamische Skulptur, bei der die einzelnen Baukörper zu zersplittern und in Bewegung zu geraten scheinen. Die Ästhetik des Vitra Design Museums trug maßgeblich zur Entstehung des Stilbegriffs „Dekonstruktivismus“ bei und leitete in Gehrys Schaffen eine neue Phase ein, die sich in seinen Großprojekten der Folgejahre (etwa dem Guggenheim Museum Bilbao, 1996) fortsetzte.
Im Innenraum verfügt das Vitra Design Museum über 4 große Ausstellungssäle mit gleichmäßigen, weißen Wänden und ca. 700 qm Ausstellungsfläche. Die wichtigste Lichtquelle ist ein zentrales Oberlicht, dessen Kreuzform auch von außen als Zentrum der Gebäudekomposition zu erkennen ist. Die von außen so markanten, diagonalen Baukörper beherbergen die Treppenhäuser. Die expressiven Außenformen des Gebäudes sind also durchaus funktional bedingt und entsprechen den Anforderungen an einen komplexen Museumsbau. Damit gelang Gehry im Vitra Design Museum die Verbindung zweier grundlegend verschiedener Typen der Museumsarchitektur. Zum einen ist das Gebäude eine überraschende Neuinterpretation des „white cube“, der einen zurückhaltenden Rahmen für die Präsentation von Exponaten bietet. Von außen ist es jedoch als bildhafte Bauskulptur gestaltet, die dem Vitra Design Museum schnell zu internationaler Bekanntheit verhalf.

Frank Gehry Vitra Design Museum

Vitra Design Museum Gallery / Frank Gehry

Vitra Design Museum Gallery und Pförtnerhaus /
Frank Gehry

1989 / 2003

Zusammen mit dem Vitra Design Museum realisierte Frank Gehry 1989 ein Pförtnerhaus mit einem angrenzenden Büroraum, das sich am Eingang zum Vitra Campus befindet. 2003 wurde dieser Komplex rückwärtig um einen Bau erweitert, der sich in unmittelbarer Nähe zum Eingang des Vitra Design Museums befindet. Er beherbergt die Vitra Design Museum Gallery, in der aktuelle, oft experimentelle Ausstellungen gezeigt werden, die die Hauptausstellungen im Museum ergänzen.


Frank Gehry Vitra Design Museum Gallery

Produktionshalle / Frank Gehry

Produktionshalle /
Frank Gehry

1989

Parallel zum Vitra Design Museum realisierte Frank Gehry 1989 eine große Produktionshalle, die unmittelbar hinter dem Museum auf dem Vitra Campus liegt. Die reduzierte Grundform dieses Gebäudes entspricht seiner Nutzung als Montagehalle. Die beiden Eingänge zum vorderen Bereich, in dem sich eine Kantine und Büroräume befinden, weisen jedoch die für Gehry typischen, skulpturalen Bauformen auf und stellen optisch eine Verbindung zum Museumsgebäude her.



Frank Gehry Produktionshalle

Produktionshalle / Alvaro Siza

Produktionshalle /
Alvaro Siza

1994

Die große, schlichte Backsteinhalle von Alvaro Siza erinnert an anonyme Fabrikgebäude des 19. Jahrhunderts und tritt hinter die Bedürfnisse der anderen Baukörper auf dem Gelände zurück. Das markanteste Element des Gebäudes ist die geschwungene Brückendachkonstruktion, die die Halle mit dem benachbarten Gebäude von Nicholas Grimshaw verbindet. Sie lässt sich so weit nach oben ziehen, dass der Blick vom Eingang des Vitra Campus auf das Feuerwehrhaus von Zaha Hadid nicht beeinträchtigt wird. Bei Regen senkt sich die Brücke automatisch ab, um eine witterungsgeschützte Passage zum Grimshaw-Bau zu gewährleisten.



Alvaro Siza Produktionshalle

Produktionshallen / Nicholas Grimshaw

Produktionshallen /
Nicholas Grimshaw

1981 / 1983

1981 zerstörte ein Brand den Großteil der bis dahin genutzten, konventionellen Produktionsgebäude von Vitra. Erst der Wiederaufbau bot die Möglichkeit, unterschiedliche Bauten mit bekannten Architekten zu realisieren, die zum heutigen Vitra Campus führten. Nicholas Grimshaw war unmittelbar nach der Brandkatastrophe 1981 der erste Architekt, der einen Bau auf dem Campus realisierte. Da dafür aufgrund von Versicherungsvorgaben nur 6 Monate Zeit waren, entwarf Grimshaw eine Halle aus einfachen, vorgefertigten Metallelementen. Die Fassade aus horizontal gewelltem Blech ist zugleich ein Bekenntnis zur industriellen Nutzung des Gebäudes und zur technischen Kompetenz der Firma Vitra. 1983 errichtete Grimshaw eine zweite Produktionshalle, die mit der ersten nahezu identisch ist. Beide Hallen werden heute noch zur Produktion genutzt. Der erste Bau beherbergt zudem das Citizen Office, ein innovatives Großbüro, das 2010 von der Innenarchitektin Sevil Peach gestaltet wurde.


Nicholas Grimshaw Produktionshalle

Feuerwehrhaus / Zaha Hadid

Feuerwehrhaus /
Zaha Hadid

1993

Nachdem ein Großbrand 1981 weite Teile des Firmenareals zerstört und einen Neuaufbau des Firmengeländes nötig gemacht hatte, richtete Vitra eine Werksfeuerwehr ein. Die Gestaltung des Feuerwehrhauses übertrug man der aus dem Irak stammenden, in London ansässigen Architektin Zaha Hadid. Sie entwarf ein Gebäude, das aus einer großen Halle für mehrere Feuerwehrautos sowie einem weiteren Trakt mit Umkleideräumen, Duschen sowie Gemeinschaftsräumen besteht. Die spitzwinkligen, skulpturalen Formen des Feuerwehrhauses wurden in aufwändiger Schalbauweise direkt vor Ort gegossen. Sie bilden einen starken Kontrast zur rechtwinkligen Ordnung der benachbarten Produktionshallen.
Das Vitra Feuerwehrhaus war das erste Gesamtbauwerk von Zaha Hadid überhaupt und gilt heute – ebenso wie Frank Gehrys Bau für das Vitra Design Museum – als Schlüsselwerk für den so genannten Dekonstruktivismus, aber auch für die Architektur des späten 20. Jahrhunderts überhaupt. Heute wird das Gebäude für Ausstellungen und Sonderveranstaltungen genutzt.

Zaha Hadid Feuerwehrhaus

Konferenzpavillon / Tadao Ando

Konferenzpavillon /
Tadao Ando

1993

Der Konferenzpavillon von Tadao Ando ist das erste Werk von Ando außerhalb Japans. Das Zentrum dieses Gebäudes bildet ein abgesenkter Innenhof, der die Umgebung auszublenden scheint und dem Gebäude eine fast klösterliche Ruhe und Intimität verleiht. Von dort aus erreicht man über schmale, Korridore und Rampen die verschiedenen Konferenzräume. Der fein behandelte Sichtbeton und die Holzoberflächen unterstützen die Ruhe und Konzentration, die dieser Bau ausstrahlt. Sie zeugen von Andos Inspirationen an Architekten wie Le Corbusier und Louis Kahn, machen aber zugleich seine Verwurzelung in der Tradition japanischer Baukunst deutlich. Die Synthese westlicher und östlicher Architekturtradition, die Tadao in seinen Bauten anstrebt, manifestiert sich auch in der Lichtführung und in der Einbettung des Gebäudes in die umgebende Landschaft, die an die Strenge japanischer Zen-Gärten erinnert.

Tadao Ando Conference Pavilion

Dome / Richard Buckminster Fuller

Dome /
Richard Buckminster Fuller

1975 / 2000, mit T.C. Howard

Der Visionär Richard Buckminster Fuller gilt als einer der großen experimentellen Architekten des 20. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Werken gehören das Wichita House (1944), die Biosphere auf der Weltausstellung in Montreal 1967 sowie das futuristisch anmutende Automobil Dymaxion Car (1933). Im Zentrum von Fullers Werk stand die Auseinandersetzung mit so genannten geodätischen Strukturen, die er für selbstragende Kuppelbauten nutzbar machte. Um seine Patente für diese Konstruktionen zu lizenzieren, gründete Buckminster Fuller 1955 die Firma Synergetics Inc., die er später wieder verkaufte. Für Synergetics entwickelte der mit Buckminster Fuller befreundete Ingenieur Thomas C. Howard die leicht montierbaren Kuppelbauten daraufhin weiter. Diese Modelle wurden von der Firma Charter Industries industriell produziert und vertrieben – so auch der Kuppelbau, der heute auf dem Vitra Campus steht. Er wurde 1975 hergestellt und zunächst in Detroit/USA eingesetzt. Im Jahr 2000 wurde der Bau auf dem Vitra Campus errichtet und dient seitdem als Ort für wechselnde Veranstaltungen.


Richard Buckminster Fuller Dome

Tankstelle / Jean Prouvé

Tankstelle /
Jean Prouvé

1953 / 2003

Jean Prouvé war ein bedeutender Ingenieur, Architekt und Designer der Nachkriegszeit. Er entwickelte Möbel und Bauten, die auf sorgfältig konstruierten Metallstrukturen basierten und die er in seinem eigenen, metallverarbeitenden Betrieb produzierte. Das kleine Tankstellengebäude auf dem Vitra Campus entwickelte Prouvé gemeinsam mit seinem Bruder Henri Prouvé (1915 - 2012) ca. 1953 für die Firma Mobiloil Socony-Vacuum. Ursprünglich stand sie am „Relais des Sangliers“ im Departement Haute-Loire in Frankreich. Als eines der drei noch verbliebenen Exemplare dieses Typs wurde sie 2003 auf dem Vitra Campus wiederaufgebaut. Das Gebäude besteht aus winkelförmigen Aluminiumelementen und von Bullaugen durchbrochenen Blechen. Tragwerk und Wandaufbau sind deutlich – auch farblich – voneinander getrennt. Damit ist dieser Bau typisch für die Gestaltungsprinzipien, die auch Prouvés anderen Möbeln und Bauten zu Grunde lagen und mit denen er viele Aspekte heutiger High-Tech-Architektur vorwegnahm. 

Jean Prouvé Tankstelle

Balancing Tools / Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen

Balancing Tools /
Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen

1984

Der Künstler Claes Oldenburg und seine Frau Coosje van Bruggen zählen zu den wichtigsten Vertretern der Pop Art. Seit den 1960er Jahren experimentierten sie mit Skulpturen von überdimensional vergrößerten Alltagsgegenständen. Die Skulptur „Balancing Tools“ wurde von den Kindern des Vitra-Firmengründers Willi Fehlbaum als Geschenk zu dessen 70. Geburtstag in Auftrag gegeben. Sie zeigen mit Hammer, Zange und Schraubendreher die Hauptwerkzeuge eines  Polsterers, der bei der Möbelproduktion eine zentrale Rolle spielt. Die Vergrößerung vermeintlich banaler Alltagsgegenstände, ergänzt um die Fassung in einfachen Primärfarben, erhebt diese Objekte zu einprägsamen Ikonen und spiegelt zugleich den Dialog von Kunst und Technik, der jedem Designprozess zu Grunde liegt.

Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen Balancing Tools

VitraHaus / Herzog & de Meuron

VitraHaus /
Herzog & de Meuron

2010

Mit dem VitraHaus wurde 2010 ein Bau geschaffen, der die Vielfalt der Vitra Produktpalette am Produktionsstandort unter einem Dach erlebbar macht. Das VitraHaus ist Vitras Flagshipstore: Besucher finden dort Anregungen für die Einrichtung ihres Zuhauses und werden auf eine Entdeckungsreise ihrer eigenen Designvorlieben eingeladen. Neben den Produktinstallationen und Beratungsräumen in den Obergeschossen befinden sich im Erdgeschoß der Vitra Design Museum Shop, das VitraHaus Café und die Rezeption zum Empfang der Besucher auf dem Vitra Campus. Das Gebäude dafür wurde von Herzog & de Meuron entworfen, einem der renommiertesten Architekturbüros der Gegenwart. Die Grundstruktur des VitraHaus besteht aus 12 langgezogenen Giebelhäusern, die zu einem fünfstöckigen Bauwerk aufeinandergestapelt sind. Dank der Giebeldächer ergeben sich im Inneren immer wieder vertraute Raumsituationen – die Architekten sprechen von „domestic scale“. Zugleich wirken die Giebelformen wie ein Zitat der umliegenden Vorortbauten und scheinen die unterschiedlichen Wohnwelten geradezu bildhaft einzurahmen. Ein Rundgang durch das VitraHaus bietet permanent neue Stimmungen und Einblicke  – innerhalb des Gebäudes, aber auch in die umgebende Landschaft, sei es auf die idyllischen Weinberge im Osten oder die Basler Industriezonen im Westen. Aufgrund seiner vielschichtigen Konzeption wirkt das VitraHaus wie eine architektonische Umsetzung der pluralistischen Unternehmenskultur, die Vitra in allen Bereichen prägt.



Herzog & de Meuron VitraHaus

Produktionshalle / SANAA

Produktionshalle /
SANAA

2012

Die vom japanischen Architekturbüro SANAA entworfene Produktionshalle der Vitrashop Gruppe wurde 2012 fertiggestellt. Das Gebäude erhebt sich über einem frei gerundeten, nicht ganz kreisförmigen Grundriss und besteht aus zwei halbrunden Betonschalen, die miteinander verbunden sind. Diese ovale Form optimiert logistische Abläufe, indem sie LKW genügend Zirkulationsfläche bietet. Die Hälfte der Halle ist unterkellert, hier steht Mitarbeitern eine Tiefgarage mit 240 Parkplätzen zur Verfügung. Da auf künstliches Licht verzichtet werden sollte, wurden an der Hallendecke mehrere Oberlichter installiert, die viel Tageslicht einlassen. Eine weiße Vorhangfassade aus gewellten Acryl-Paneelen verleiht dem Äußeren des Gebäudes eine fließende Form. Dadurch wirkt die Halle – die größer als alle anderen Produktionsgebäude auf dem Gelände ist – leicht, fast schwebend. Wie in anderen Werken von SANAA in Europa, etwa dem Rolex Learning Center an der EPFL Lausanne oder dem Neubau für das Louvre-Museum in Lens, stehen auch bei diesem Bau Leere und Leichtigkeit im Mittelpunkt. Dieser Eindruck wird unterstützt durch eine immateriell wirkende Fassade und die wenigen, mit fast chirurgischer Präzision gesetzten Fassadenöffnungen.




SANAA Produktionshalle