Isamu Noguchi (1904-1988) zählt zu den bedeutendsten Künstlern und Gestaltern seiner Zeit. Mit seiner weitgefassten Definition von Skulptur schuf er als Bildhauer nicht nur Plastiken, sondern gestaltete auch Bühnenbilder, Leuchten, Möbel und öffentliche Plätze. So gelang ihm der Brückenschlag zwischen bildender und angewandter Kunst. Das Vitra Design Museum widmet dem amerikanischen Multitalent nun die erste große Solo-Ausstellung in Europa. Die Auswahl der rund 80 Exponate, die in dieser Zusammenstellung noch nie präsentiert wurden, zeigt die verblüffende Vielseitigkeit Noguchis und betont seinen interdisziplinären und interkulturellen Ansatz. Die Ausstellungsgestaltung des international bekannten Regisseurs und Choreographen Robert Wilson setzt Noguchis Arbeiten mit einer stimmungsvollen Installation und einer eigenen Ton- und Lichtregie in Szene.

Die Auswahl der rund 80 Exponate, die in dieser Zusammenstellung noch nie präsentiert wurden, zeigt die verblüffende Vielseitigkeit Noguchis und betont seinen interdisziplinären und interkulturellen Ansatz. Die Ausstellungsgestaltung des international bekannten Regisseurs und Choreographen Robert Wilson setzt Noguchis Arbeiten mit einer stimmungsvollen Installation und einer eigenen Ton- und Lichtregie in Szene.

Bildergalerie

Isamu Noguchi - Sculptural Design

Frühe künstlerische Einflüsse

Als Sohn eines Japaners und einer Amerikanerin in den USA und Japan aufgewachsen, kam Noguchi in den zwanziger Jahren in New York erstmals in Kontakt mit der Kunst der westlichen Avantgarde. Prägend für seine künstlerische Ausbildung war sein Aufenthalt als Guggenheim Stipendiat in Paris, wo er 1927 ein halbes Jahr im Atelier von Constantin Brancusi arbeitete. Ebenso bedeutend für seine weitere Laufbahn war sein Unterricht bei Meistern traditioneller asiatischer Malerei und Töpferkunst während seiner Reise nach China und Japan 1930/31. Wieder in New York lernte der Pendler zwischen Ost und West Martha Graham kennen, woraus sich eine äußerst fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit entwickelte. Bis Mitte der sechziger Jahre gestaltete Noguchi 21 Bühnenbilder für die herausragende Vertreterin des modernen Tanztheaters. Meist formal sehr reduzierte und doch spannungsvolle Szenerien, wie z. B. Herodiade (1944) oder Judith (1950), die in der Ausstellung zu sehen sind. In den vierziger und fünfziger Jahren entstanden Noguchis bekannteste Möbelentwürfe, der skulptural anmutende Coffee Table und der ausgeklügelte Chess Table (1944), beide für Herman Miller sowie der filigrane Rocking Stool (1954) für Knoll International.

Papier und Bambus: neue Formen mit traditionellen Fertigungstechniken

Während eines Japan-Aufenthaltes 1951 weckten die asiatischen Leuchten aus Papier und Bambus Noguchis Begeisterung. Unter Verwendung der traditionellen Fertigungstechnik kreierte er neue Formen, versah sie statt mit Kerzen mit elektrischen Glühlampen und schuf so die ersten Akaris - Lichtskulpturen für den täglichen Gebrauch. Noguchis Skulpturen laden oftmals zur Benutzung ein, wie der Garden Seat (1963) aus Basalt und Granit oder der Water Table (1968), dessen Regenwasser sammelnde Vertiefungen zugleich als Vogeltränke fungieren können. Auf der Slide Mantra, einer organisch geformten Plastik aus weißem Marmor, mit der er 1986 die USA bei der Biennale in Venedig vertrat, läßt sich gar hervorragend spielen.

Kunstprojekte im öffentlichen Raum

Für seine Kunstprojekte im öffentlichen Raum arbeitete Noguchi häufig mit bekannten Architekten zusammen. In Japan gestaltete er auf Anregung von Kenzo Tange die Geländer zweier Brücken (1951) für den Hiroshima Peace Park. In den USA kooperierte er jahrelang mit Gordon Bunshaft vom Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill, etwa bei dem Projekt Sunken Garden der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der Yale University (1960-64). In den siebziger und achtziger Jahren nahm der räumliche Umfang solcher Aufträge zu. Mit der Verwirklichung seines letzten und größten Projekts, dem 162 Hektar großen Moere Numa Park in Sapporo, konnte leider erst nach Noguchis Tod begonnen werden (1988-2004).

Die Ausstellung im Vitra Design Museum

Die in Kooperation mit der Isamu Noguchi Foundation, New York, entstandene Ausstellung des Vitra Design Museums wurde vom 8. Dezember, 2001 bis zum 21. April, 2002 in Weil am Rhein gezeigt. Zur Ausstellung erschien ein reich illustrierter, ca. 300 Seiten starker Katalog in deutscher und englischer Ausgabe. Darin schreibt Bruce Altshuler über Noguchis Interieurs und Möbel, Anna C. Chave untersucht sein Verhältnis zu Brancusi, Ingrid Schaffner und Donna Ghelerter beleuchten seine Beziehungen zur New Yorker Kunstwelt, Il Kim widmet sich seinen Landschaftsgestaltungen und Bert Winther-Tamaki geht japanischen und amerikanischen Einflüssen in Noguchis Werk nach. Ein persönlicher Rückblick von Shoji Sadao, langjähriger Mitarbeiter Noguchis, ein bis dato unveröffentlichter Artikel von ihm selbst sowie eine Hommage seines engen Freundes R. Buckminster Fuller (1960) liefern weitere interessante Einblicke in Leben und Werk des außergewöhnlichen Künstlers.

Ausstellungstournee

  • 12.02.2006 - 07.05.2006, Japanese American National Museum, Los Angeles
  • 09.06.2005 - 05.09.2005, Seattle Art Museum, Seattle
  • 09.06.2004 - 30.10.2004, Isamu Noguchi Fondation, New York
  • 23.05.2003 - 07.09.2003, Kunsthal, Rotterdam
  • 14.03.2003 - 04.05.2003, MART, Trento
  • 23.09.2002 - 14.12.2002, Maison de la Culture du Japon à Paris, Paris
  • 21.05.2002 - 26.08.2002, Reina Sofia, Madrid
  • 08.12.2001 - 01.05.2002, Vitra Design Museum, Weil am Rhein
  • 19.07.2001 - 18.11.2001, Design Museum, London