Curator's Statement

Khushnu Hoof, Kuratorin der Ausstellung
»Balkrishna Doshi. Architektur für den Menschen«


Balkrishna Doshi (*1927) gehört unzweifelhaft zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts und hat als Theoretiker und Lehrer ganze Generationen von Architekten geprägt. Er hat in hunderten von Projekten gezeigt, wie ein Haus zu einem Zuhause wird und so Identität und Zugehörigkeit vermittelt, wie man auf dem Reißbrett lebenswerte Städte und lebendige Stadtquartiere planen oder wie die Architektur die Bildung von wandlungsfähigen Institutionen unterstützen kann. Umso erstaunlicher ist, dass er außerhalb Indiens über lange Jahre nicht sehr bekannt war. Dies liegt sicherlich nicht an der Qualität seiner Architektur und der ungebrochenen Aktualität seiner Sichtweisen auf zentrale Zeitfragen, sondern wohl eher an der sich seit Mitte der neunziger Jahre unaufhaltsam ausbreitenden monumentalen Leuchtturmarchitektur, welche in ihrer globalen Gleichförmigkeit die lokalen Bedingungen und die spezifischen Bedürfnisse der Menschen weitgehend ignoriert. Doshi hingegen hat zeit seines Lebens im Bewusstsein entworfen, dass Architektur ein gesellschaftliches und soziales Instrument ist und niemals einfach nur Selbstzweck.

Das Verbindende in Doshis Projekten ist also nicht ein einheitlicher Stil oder eine Handschrift, wie viele bedeutende Architekten sie pflegen, sondern das Bewusstsein für die Verantwortung des Architekten, dessen Werk von allen Künsten den stärksten Einfluss auf den Alltag der Menschen ausübt. Doshis Architektur ist eine der Verantwortlichkeit, die sich in den Dienst der Menschen und der Gesellschaft als Ganzes stellt und soweit wie möglich im Hintergrund bleibt. Sie geht der Frage nach, wie Menschlichkeit und Integrität durch Architektur vermittelt werden können und sucht nach immer neuen Verbindungen von lokalen Ansprüchen und globalen Sichtweisen, von neuen Technologien und traditionellem Handwerk. Für ihn ist Architektur kein Produkt, sondern ein lebendiger, wandelbarer Organismus, dessen einzige Konstante seine Anpassungsfähigkeit ist.

Laufzeit der Ausstellung: 30.03.2019 – 08.09.2019

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Foto: Norbert Miguletz