Hella Jongerius: Whispering Things
14.03.2026 – 06.09.2026
Vitra Design Museum
Die Ausstellung wird unterstützt durch den Globalen Sponsor Maharam, den Sponsor Camper und die IKEA Stiftung. Dank an den Design Circle.
Programm zur Ausstellung
Zur Ausstellung passende Produkte
Kinderhandout »Hella Jongerius: Whispering Things«
Hella Jongerius gehört zu den führenden Persönlichkeiten des zeitgenössischen Designs. Seit über 30 Jahren prägt sie ein neues Verständnis von Design als kritisch-poetische Praxis und beschreitet mit ihrer Erforschung von Farbe, Materialien und Herstellungsverfahren neue Wege. Mit »Hella Jongerius: Whispering Things« widmet das Vitra Design Museum ihr ab 14. März 2026 die erste große Retrospektive. Von frühen experimentellen Arbeiten über ikonische Produkte bis hin zu skulpturalen Keramiken der jüngsten Zeit bietet die Ausstellung einen tiefen Einblick in das faszinierende Universum der niederländischen Designerin und Künstlerin. Gezeigt werden Möbel, Textilien, Keramiken, Skizzen, Prototypen und Filme, darunter etliche Projekte für Firmen wie Maharam, KLM, Camper, IKEA und Vitra sowie für Institutionen wie das Museum of Modern Art in New York.
Wie gestaltet man für eine Welt, die eigentlich schon genug hat? Welche Dinge fördern Wertschätzung und Achtsamkeit statt Konsum und Wegwerfkultur? Diese Fragen stehen im Zentrum der Ausstellung »Hella Jongerius: Whispering Things«. Die Ausstellung verfolgt Jongerius’ Entwicklung von ihren Anfängen in den 1990er Jahren mit dem niederländischen Kollektiv Droog Design über ihren Aufstieg zur erfolgreichen Produkt- und Textildesignerin in den 2000ern bis hin zu den sehr persönlichen Arbeiten der letzten Jahre, die die Grenzen zwischen Design und Kunst hinterfragen. Dabei wird deutlich, wie sie über viele Etappen eine einzigartige Handschrift herausbildete, die durch Vielschichtigkeit und eine Ästhetik der Collage geprägt ist – wobei die Sprache der Materialien ihr ebenso wichtig ist wie die expressive Kraft des Handgemachten oder Unvollkommenen. Die Werkschau umfasst mehr als 400 Objekte, darunter eine reichhaltige Auswahl an Bildern, Collagen, Experimenten und weiteren Dokumenten, die faszinierende Einblicke in den Arbeitsprozess der Designerin geben. Die meisten Exponate stammen aus Jongerius‘ umfangreichem Archiv, das sich seit 2024 in der Obhut des Vitra Design Museums befindet. Den Charakter eines Archivs begreift Jongerius als Metapher für ihre Arbeitsweise: Er eröffnet unerwartete Entdeckungen, neue Blicke auf Vergangenes, die Erkundung von Hintergrundgeschichten und das Knüpfen überraschender Querverbindungen - all jene Elemente, die ihr Werk prägen.
Gegliedert ist die Ausstellung in vier Bereiche, die die Entwicklung von Jongerius‘ Arbeit über die letzten Jahrzehnte nachzeichnen. Der erste Raum blickt unter dem Titel Dirty Hands zurück auf die 1990er Jahre und die Anfänge ihres forschungsbasierten Gestaltungsansatzes. Frühe Arbeiten aus ihrer Zeit mit Droog treten hier in Dialog mit später entstandenen Keramiken, Textilien und Möbeln. Diese wegweisenden Projekte veranschaulichen, wie Jongerius ihr Interesse am Materialverhalten und an handwerklichen Techniken nutzte, um eine eigenständige Position zwischen Handwerk und industrieller Fertigung zu entwickeln. Eine künstlerische Videoarbeit, die die Hände der Designerin bei der Arbeit zeigt, verdeutlicht die zentrale Rolle von Haptik und Körperlichkeit in ihrem Designansatz. Die Entwicklungsarbeit
mit der Hand steht dabei sowohl für Jongerius‘ tiefes Verständnis von Herstellungsverfahren als auch für die Verantwortung, die sie für jedes Ergebnis ihres Schaffens übernimmt.
Der zweite Raum trägt den Titel Business Class und widmet sich Jongerius’ langjährige Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Maharam, IKEA, Camper, Vitra, der Porzellan Manufaktur Nymphenburg und KLM. Hier stehen neben den fertigen Produkten vor allem die dahinterliegenden Designprozesse im Vordergrund. An Skizzen, Mustern und Prototypen lässt sich Jongerius‘ intensive Beschäftigung mit Fragen der Urheberschaft und Materialintegrität ablesen. Zugleich zeigt sich, dass ihre Arbeit für industrielle Auftraggeber weit über die reine Produktentwicklung hinausging. Sie umfasste stets auch die kritische Auseinandersetzung mit strategischen Fragestellungen – von nachhaltigen Produktionsmethoden bis hin zum Charakter einer Marke, ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung.
Unter dem Motto Feeling Eye widmet sich der dritte Raum der Erforschung von Farben und Materialien, die Jongerius’ Schaffen wie ein roter Faden durchzieht. Ein breites Spektrum an Arbeiten, darunter eine eindrucksvolle Rauminstallation ihrer Serie Coloured Vases sowie die experimentellen Colour Catchers, beleuchtet ihre kontinuierliche Untersuchung der Wirkung von Farbe in unterschiedlichen Situationen. Auch ihr Prozess der Textilgestaltung wird ausführlich nachvollzogen: von Arbeiten aus Papier und Seide über das Studium von Webtechniken und experimentellen Prototypen bis hin zu großen dreidimensionalen Werkserien.
Im letzten Raum, Cosmic Mind, wendet sich die Ausstellung jenen Werken zu, die zwischen Kunst und Design angesiedelt sind und oft um nichtmenschliche Lebewesen kreisen. Skulpturale Werke wie der Frog Table oder die Serie Angry Animals fordern die Besucher auf, über die Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Objekt nachzudenken. Die unmittelbar nach der Pandemie entstandenen Space Amulets entfalten eine fast schamanenhafte Dimension, während die Serie der Unfoldable Cubes Jongerius‘ technisch hochkomplexe Erforschung dreidimensionaler Raumgewebe veranschaulicht. In einem angrenzenden Kabinett wird ein eigens für die Ausstellung produzierter Experimentalfilm gezeigt, der Alltagsgegenständen eine Stimme verleiht und damit Jongerius‘ grundlegenden Ansatz verdeutlicht: die Objektwelt als einen belebten Kosmos zu begreifen, mit dem wir in enger Beziehung stehen.
In einer Zeit der Konflikte und der ständigen Ablenkung richtet die Ausstellung »Hella Jongerius: Whispering
Things« den Blick auf eine Designerin, die sich dem herrschenden Zeitgeist oft widersetzt. Ihr Werk ist zuweilen sperrig, bricht mit Konventionen und gewinnt seine Bedeutung aus einer Virtuosität im Umgang mit Materialien und Techniken, die im heutigen Design wohl einzigartig ist. Als erste große Retrospektive über Jongerius‘ Schaffen unterstreicht die Ausstellung ihre herausragende Position im zeitgenössischen Design – nicht zuletzt als wichtige Inspiration für eine jüngere Generation kritischer DesignerInnen im 21. Jahrhundert.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der von dem niederländischen Grafikdesigner Joost Grootens gestaltet wurde und Beiträge renommierter AutorInnen wie Alice Rawsthorne, Paola Antonelli, Louise Schouwenberg und Christel Vester sowie ein Werksverzeichnis umfasst.
Nach der Premiere im Vitra Design Museum wird die Ausstellung vom 16. Oktober 2026 bis 30. Mai 2027 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg gezeigt; weitere Stationen sind in Planung.
Abb.: Keyvisual Hella Jongerius: Whispering Things © Vitra Design Museum Grafikdesign: Joost Grootens basierend auf dem Werk Falling Vases Paintings Hella Jongerius
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