Dieter Rams. Modular World

18.11.2016 – 12.03.2017

Schaudepot

Dieter Rams (*1932) ist einer der einflussreichsten deutschen Designer der letzten Jahrzehnte. Seine Entwürfe für die Firma Braun sind legendär, seine Thesen über Design heute aktueller denn je. Vom 18. November 2016 bis 12. März 2017 präsentiert das Vitra Design Museum im neu eröffneten Vitra Schaudepot eine Ausstellung über Rams‘ Werk. »Dieter Rams. Modular World« zeigt eine Auswahl der von Rams entworfenen Möbel und Elektrogeräte, darunter Schlüsselwerke wie der Schneewittchensarg und das Regalsystem 606. Ergänzt wird die Schau durch historisches Bildmaterial und ein Video-Interview, in dem Rams seine Gestaltungsphilosophie erläutert.

»Dieter Rams. Modular World« ist die erste Ausstellung, die vor allem Rams‘ Möbelentwürfe in den Blick nimmt. Dabei wird deutlich, wie eng diese Entwürfe mit seiner Gestaltungsphilosophie verbunden sind. Deren Essenz – Einfachheit, Ehrlichkeit, Zeitlosigkeit – fasste er in seinen »Zehn Thesen zum Design« zusammen, die er ab den 1970er Jahren entwickelte. Darin schrieb er unter anderem: »Gutes Design ist langlebig. Es hat nichts Modisches, das schnell veraltet wirkt. Damit unterscheiden sich gut gestaltete Produkte tiefgreifend von kurzlebigen Trivial-Produkten einer Wegwerfgesellschaft, für die es heute keine Berechtigung mehr gibt«. Ausgangspunkt dieser Überlegungen war also eine grundsätzliche Konsumkritik, die Rams veranlasste, neue Ziele für den Umgang mit Design zu formulieren – und dies lange bevor Nachhaltigkeit zum Modewort wurde.

Rams‘ Thesen können auch zum Verständnis seiner vielfältigen gestalterischen Arbeit herangezogen werden. Von 1955 bis 1997 war er für das Produktdesign der Firma Braun verantwortlich. Hier entstanden die legendären Elektrogeräte, die in den letzten Jahren immer wieder als Anregung für das Design der Apple-Produkte angeführt wurden. Weniger bekannt ist, dass Rams bereits ab 1957 auch Möbel entwickelte. Dabei arbeitete er vor allem mit der Firma Vitsoe zusammen, die seine Entwürfe bis heute herstellt. Wie wichtig ihm seine Möbel waren, erläuterte Rams so: »Vielleicht noch unmittelbarer als die Braun Geräte sind die Möbel entstanden aus einer Vorstellung davon, wie die Welt ›eingerichtet‹ sein und wie Menschen in dieser artifiziellen Umwelt leben sollten. Jedes Möbelstück ist in diesem Sinne auch ein Welt- und Lebensentwurf.«

Rams‘ Entwürfe sind gekennzeichnet durch Reduktion und Schlichtheit, gemäß seiner Maxime »Gutes Design ist so wenig Design wie möglich«. Dabei geht es ihm weniger um Askese, sondern um ästhetische Nachhaltigkeit. Seine Regale, Stühle, Sessel und Tische sind so funktional und neutral gestaltet, dass sie variabel einsetzbar sind – ob in Wohnzimmer, Küche, Büro oder öffentlichen Räumen – und auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Zugleich sind viele der Möbel als modulare Systeme konzipiert, die sich mit dem Leben der Benutzer verändern können. Beispielsweise wird das berühmte Regalsystem 606 seit 1960 kontinuierlich hergestellt, und es ist möglich, Module aus der heutigen Produktion mit einem Regal aus den 1960ern zu kombinieren. Der Sessel 620 wiederum kann als Ein-, Zwei- oder Dreisitzer mit unterschiedlichen Seiten- und Rückenlehnen ausgestattet werden. Und das System 740, einer von Rams‘ am wenigsten bekannten Entwürfen, basiert auf runden, stapelbaren Elementen, die von japanischen Sitzmatten inspiriert sind – eine noch heute bestechend klare Entwurfsidee.

Mit ihrer Zeitlosigkeit sind Rams‘ Entwürfe Musterbeispiele für nachhaltiges Gestalten und beeinflussen Designer bis heute.

Mittwochsmatinee (DE) | 25. Januar 2017 |10 Uhr
Die Kuratorin Heng Zhi führt durch die Ausstellung.
10,00 € pro Person

Mark Adams | Talk (EN) | 9. März 2017 | 18.30 Uhr
Seit 1986 leitet Mark Adams die Möbelfirma Vitsoe mit Sitz in London und trägt seitdem das Credo des Gründers Niels Vitsoe von schlichtem, langlebigem und hochwertigem Design weiter. In seinem Vortrag spricht Adams über seine Designphilosophie und darüber, was gutes Design bedeutet.
Eintritt frei

 

 

 

 

Phono-Radiokombination SK55, Foto: Andreas Sütterlin
Tischsuper RT 20, Foto: Andreas Sütterlin